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Antibiotika-Awareness beim Geflügel

Vom 12. bis 18. November fand zum zweiten Mal die internationale Antibiotika-Awareness-Woche statt, mit dem Ziel, das Bewusstsein für Antibiotikaresistenzen zu stärken. Im Gegensatz zu 2017 führte die Geflügelbranche dieses Jahr keinen eigenen Medienanlass durch. Die Argumente, die Prof. Dr. Roger Stephan beim letzten Anlass brachte, sind jedoch nach wie vor gültig und seien an dieser Stelle in Erinnerung gerufen – sie helfen der Branche, Pauschalurteile zum Antibiotikaeinsatz beim Geflügel zu widerlegen.

Pauschalvorwürfe nicht haltbar
Die Tatsache, dass resistente, ESBL-bildende Bakterien beim Geflügel häufig gefunden werden, hat die Medien häufig zu vorschnellen Schlussfolgerungen verleitet, wonach dies auf einen übermässigen Einsatz von Antibiotika zurückzuführen und das Geflügel hauptverantwortlich für die Resistenzen beim Menschen sei. Diese Behauptungen seien aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar, wie Prof. Stephan mit entsprechenden Studienresultaten belegen konnte. Seine Erkenntnisse und Argumente lassen sich wie folgt zusammenfassen:
 
  • Die Antibiotika-Behandlungsrate in Schweizer Geflügelbeständen ist international auf sehr tiefem Niveau; weniger als jede 10. Herde muss behandelt werden. Man kann also nicht von einem flächendeckenden Antibiotikaeinsatz sprechen.
  • Die Resistenz-Gene befinden sich auf sogenannten Plasmiden, die einfach zwischen Bakterien übertragen werden können. Diese sind schon bei den importierten Elterntierküken auffindbar und werden vertikal über das Brutei auf die Küken übertragen. Die Resistenzen treten also nicht erst beim Schweizer Geflügel auf.
  • Die beim Schweizer Geflügel eingesetzten Wirksubstanzen verursachen in der Regel nicht jene Resistenzen, die bei Keimen auf dem Geflügelfleisch gefunden werden.
  • Die genaue Typisierung multiresistenter Keime hat gezeigt, dass beim Menschen andere ESBL-Typen dominieren als beim Geflügel; der beim Menschen mit 41% am häufigsten vorkommende Typ wurde beim Geflügel nicht gefunden.
  • Mittels aufwendiger Anreicherungs-Verfahren kann zwar häufig die Existenz von ESBL-bildenden Keimen auf Geflügelfleisch nachgewiesen werden. Es zeigte sich aber, dass solche Keime nur in geringen Mengen auf Geflügelfleischproben vorkommen. Gemäss einer Untersuchung waren nur bei 1,8% von 450 Geflügelfleischproben ESBL-Bildner quantitativ nachweisbar (Auszählung der Keime bei üblicher Nachweisgrenze).
  • Beim Kochen werden sowohl Campylobacter wie auch resistente Keime unschädlich gemacht. Und mit einfachen Regeln der Küchenhygiene lässt sich die Keimübertragung verhindern.
 
Branche nimmt Problematik ernst
Das Problem der Antibiotikaresistenzen wird in der Geflügelbranche sehr ernst genommen. So hat die Branche wissenschaftliche Untersuchungen initiiert und mitfinanziert und arbeitet eng mit den Behörden zusammen, sowohl bei der Strategie Antibiotikaresistenz (StAR) als auch bei der Kampagne «Sichergeniessen.ch».
Zudem gehören in der Geflügelproduktion die strikte Einhaltung von Hygieneregeln sowie die «Gute Herstellungspraxis» (siehe unten) zum Alltag. Dies hilft, die Einschleppung pathogener Keime und damit allfällige Herdenbehandlungen zu minimieren. Was auch Früchte zeigt: Im Vergleich zum Ausland und mit anderen Nutztierarten ist die Situation beim Schweizer Geflügel sehr gut: 90 bis 95 Prozent der Geflügelherden in der Schweiz müssen nie mit Antibiotika behandelt werden.
Die beim Geflügel typische Organisa­tionsstruktur mit einer engen Zusammenarbeit zwischen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung garantiert zudem eine effiziente und flächendeckende Umsetzung von Massnahmen auf allen Stufen.
 
 
«Gute Herstellungspraxis» in der Geflügelmast
Nachfolgend aufgeführt sind die elementaren Punkte der «Guten Herstellungspraxis», die in der
Geflügelmast umgesetzt und von den Geflügelmastorganisationen überwacht werden.
  • Vor jedem neuen Umtrieb, d.h. bis zu 8 Mal pro Jahr, wird der gesamte Stall und Wintergarten gründlich gewaschen und desinfiziert.
  • Hygiene und optimale Bedingungen auf allen Stufen bis zur Einstallung der Küken (Elterntiere,
  • Bruteier, Brüterei, Kükentransport, Vorbereitung/Vorheizen des Stalles)
  • Alle Tiere einer Herde (aus gleicher Herkunft und mit gleichem Alter) werden zusammen
  • eingestallt.
  • Ein kontrollierter Personen-, Tier- und Warenverkehr minimiert das Risiko einer Keimeinschleppung.
  • Im Vorraum des Stalles wird eine Hygienebarriere eingerichtet, die nicht ohne Stiefel- und Kleiderwechsel sowie Hände-/Gerätedesinfektion überschritten wird.
  • Optimale Haltungsbedingungen (mit modernster Temperatur- und Stallklimaführung) sowie eine bedarfsgerechte Fütterung garantieren die Gesundheit der Tiere.
  • Allfällige Herdenbehandlungen erfolgen nur nach Abklärung und Anweisung von Geflügelfachtierärzten der Geflügelmastorganisationen.

 

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